Blutungsstörungen

Was sind Blutungsstörungen?

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Als Blutungsstörungen oder Zyklusstörungen werden Abweichungen vom normalen und regelmäßigen Zyklus bezeichnet. Bei einem normalen Zyklus ist der Abstand vom 1. Tag der Regelblutung (Menstruation) bis zum Beginn der nächsten Regelblutung zwischen 24 und 35 Tagen. Die normale Blutungsdauer ist zwischen 3 und 7 Tagen und der normale Blutverlust liegt zwischen 20 und 80 ml (das entspricht 3 bis 4 Binden oder Tampons pro Tag).

Welche Blutungsstörungen gibt es?

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Bei den Blutungsstörungen unterscheidet man Typusstörungen (Blutung zu stark oder zu schwach), Tempostörungen (Abstand zwischen den Blutungen zu kurz oder zu lang), Zusatzblutungen oder komplettes Ausbleiben der Regelblutung.

Folgende Blutungsstörungen werden unterschieden:

  • Hypermenorrhoe:
    • Dauer: bis zu 7 Tage
    • Stärke: sehr stark
  • Menorrhagie:
    • Dauer: bis zu 10 Tage
    • Stärke: unterschiedlich stark
  • Metrorrhagie:
    • Dauer: mehr als 10 Tage
    • Stärke: unterschiedlich stark
  • Dauerblutung:
    • Dauer: tägliche Blutung ohne Pause
    • Stärke: unterschiedlich stark
  • Hypomenorrhoe:
    • Dauer: 3 Tage
    • Stärke: schwach
  • Brachymenorrhoe:
    • Dauer: zu kurz (Stunden bis 2 Tage)
    • Stärke: schwach
  • Oligomenorrhoe:
    • Abstand von einer Regelblutung zur nächsten: mehr als 35 Tage
  • Polymenorrhoe:
    • Abstand von einer Regelblutung zur nächsten: weniger als 24 Tage
  • Amenorrhoe:
    • Primäre Amenorrhoe: keine Regelblutung bis zum 16. Lebensjahr
    • Sekundäre Amenorrhoe: Ausbleiben der Regelblutung mehr als 3 Monate

Welche Ursachen gibt es für Blutungsstörungen?

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Bei den Ursachen unterscheidet man zwischen organischen Veränderungen (z.B. Myome, Polypen, Entzündungen, Vorstufen oder bösartige Veränderungen) und hormonellen Ursachen.

Wie werden Blutungsstörungen diagnostiziert?

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Auf Grund der verschiedenen Ursachen ist bei Blutungsstörungen eine sorgfältige Abklärung notwendig. Folgende Untersuchungen werden bei der Abklärung angewandt:

  • Ausführliches Gespräch
  • Menstruationskalender
  • Gynäkologische Untersuchung
  • Vorsorgeabstrich
  • Tastuntersuchung
  • Ultraschall
  • Blutabnahme (Hormonwerte, Schilddrüsenwerte, Blutbild, Blutgerinnung)

Welche Therapien gibt es bei zu starken und/oder verlängerten Blutungen?

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Die Therapie von zu starken und/oder verlängerten Blutungen ist immer individuell und von folgenden Faktoren abhängig:

  • Alter
  • Kinderwunsch ja/nein
  • Verhütungswunsch?
  • Ursache der Blutungsstörung (organisch/hormonell)
  • Therapiewunsch der Patientin
  • Verträglichkeit von Hormonen
  • Abgeschlossene Familienplanung ja/nein

Medikamentöse Therapie bei zu starken und/oder verlängerten Blutungen

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Bei zu starken und/oder verlängerten Blutungen können folgende Medikamente in der Therapie eingesetzt werden:

  • Gelbkörperhormone (Gestagene)
  • Minipille
  • Hormonspirale
  • Pille
  • Tranexamsäure (Cyklokapron®; verbessert die Blutgerinnung)

Welche Therapie auf Grund der individuellen Situation am besten geeignet ist, kann nur durch die behandelnde Frauenärztin/den behandelten Frauenarzt nach einer ausführlichen Untersuchung und Beratung entschieden werden.

Operative Therapie bei zu starken und/oder verlängerten Blutungen

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Bei organischen Ursachen kann für die Therapie von zu starken und/oder verlängerten Blutungen eine Operation sinnvoll und notwendig sein:

  • Ausschabung (Curettage): bei Polypen oder sehr hoch aufgebauter Gebärmutterschleimhaut
  • Verödung der Gebärmutterschleimhaut (NovaSure)
    • nur bei abgeschlossenem Kinderwunsch möglich
  • Entfernung der Gebärmutterschleimhaut (hysteroskopische Endometriumresektion)
    • nur bei abgeschlossenem Kinderwunsch möglich
  • Entfernung der Gebärmutter
    • nur bei abgeschlossenem Kinderwunsch möglich
  • Bei Myomen
    • Operative Entfernung der Myome
    • Medikamentöse Therapie der Myome
    • Embolisation
    • Fokussierter hochfrequenter Ultraschall
    • Radiofrequenztherapie
    • Entfernung der Gebärmutter

Welche Therapie auf Grund der individuellen Situation am besten geeignet ist, kann nur durch die behandelnde Frauenärztin/den behandelten Frauenarzt nach einer ausführlichen Untersuchung und Beratung entschieden werden.

Welche Folgen können zu starke und/oder zu lange Blutungen haben?

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Durch zu starke und lange Blutungen kann es zu einem ausgeprägten Blutverlust und Eisenmangel kommen.

Die typischen Symptome bei Blutarmut und Eisenmangel sind:

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Blasse Haut
  • Kurzatmigkeit
  • Atemnot bei Belastung
  • Schwindel
  • Verminderte Leistungsfähigkeit

 

 

 

Die Informationen basieren auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen des Autors. Sie ersetzen weder das ärztliche Gespräch noch die gynäkologische Untersuchung.

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Dieser Online-Ratgeber wurde von Univ.-Prof. Mag. Dr. med. Andreas Widschwendter eingerichtet, um unabhängig, seriös und auf dem neuesten Stand des Wissens über gynäkologische Operationen und Erkrankungen zu informieren.
Foto Univ.-Prof. Mag. Dr.med. Andreas Widschwendter